Diese Seite wird gemeinsam vom Fanprojekt und vom FCC Supporters Club - der Fanabteilung im FC Carl Zeiss Jena e.V. betrieben.
Vorschläge, Kritiken und vor allem Beiträge anderer Fans sind jederzeit willkommen.
Unterstützung (Briefe) 2002/03
Förderung der erfolgreichen Arbeit des Fan-Projekts gefährdet?

– Sollen Jugendliche allein gelassen werden?
Breite Unterstützung der Fachwelt für anerkanntes Projekt
Einsparungen im Bereich des Jugendförderplans 2003 geplant
Von den per Runderlass des Jenaer Oberbürgermeisters Dr. Peter Röhlinger geforderten Einsparungen im Bereich des Jugendförderplans 2003 kann nach gegenwärtigem Stand auch die kommunale Förderung der Arbeit des Fußball-Fan-Projektes Jena betroffen sein ...
obwohl Mitarbeiter wie Fachexperten von außerhalb – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Gewaltexzesse beim jüngsten Dresdener Stadtderby- nicht nur einen unveränderten, sondern vielmehr eher steigenden Bedarf für die gewaltpräventive Arbeit des Projektes sehen.
Kölner Fanprojekt e.V. / BAG-Sprecher
Jugendhilfeausschuß der Stadt Jena
Köln, 05.09.2002
Sehr geehrte Damen und Herren !
Mit Besorgnis musste ich vor wenigen Tagen erfahren, dass eines der renommiertesten sozialpädagogisch tätigen Fanprojekte Deutschlands, das Fan-Projekt Jena e.V., aufgrund eines Sonderrunderlasses des Oberbürgermeisters der Stadt Jena im Bereich des Dezernates "Soziales und Kultur" und hierbei insbesondere hinsichtlich des Jugendförderplanes 2003 erhebliche Kürzungen, möglicherweise bis hin zu einer Einstellung der Fanprojekt-Arbeit, zu erwarten hat..
Als hauptamtlicher Mitarbeiter der gleichfalls nach dem "Nationalen Konzept Sport und Sicherheit" (NKSS) und dem "Kinder- und Jugendhilfegesetz" (KJHG) sozialpädagogisch arbeitenden Jugendinstitution Kölner Fanprojekt e.V. sowie Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Fanprojekte ist es aus meiner Sicht nur schwer zu verstehen, wie nach über zehn Jahren erfolgreicher Fanprojekt-Arbeit unter besonderer Berücksichtigung eines Aufbaus von vertrauensvollen und belastbaren Beziehungen zu einer überwiegend problematischen Zielgruppe eine eventuelle finanzielle Kürzung "im Raume" stehen kann.
Gerade die jugendpädagogische Zielgruppe "Fußballfans" stellt eine besondere Klientel dar, die häufig nicht durch andere (freizeit-)pädagogische Angebote erreicht werden kann. Eine regelmäßige und langfristige Betreuung dieser überwiegend gewaltorientierten und mitunter rechtsextremistischen Fans bedarf daher besonderer Unterstützung. Diesem Auftrag ist das Fanprojekt in allen Jahren im besonderen nachgekommen. Nicht zuletzt der Arbeit der Mitarbeiter des Fanprojekts Jena ist es letztlich ferner zu verdanken, dass sich im Laufe der Vergangenheit ein Selbstregulierungsmechanismus innerhalb der jugendlichen Subkultur eingestellt hat.
Darüber hinaus ist es dem Mitarbeiter Matthias Stein auf eindrucksvolle Weise gelungen, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Verein FC Carl Zeiss Jena sowie dem Fanverband "Supporters Club" herzustellen. Die Bedeutung einer individuellen sozialpädagogischen Betreuung verschiedener Fangruppierungen (u.a. der Hooligans und der "Ultra"-Anhänger) und seine jederzeit vorhandene Bereitschaft, ein "offenes Ohr" für die Schwierigkeiten und Probleme der Fans zu haben, dürfte allen Personen bekannt sein, die Herrn Stein persönlich kennen und schätzen gelernt haben. Die Arbeit des Fanprojekts wird jedenfalls in weiten Teilen des Bundesgebiets honoriert. Zudem war und ist sie stets ein Richtmaß für andere, neu geschaffene Fanprojekte.
Schließlich soll auch die Rolle von Herrn Stein in seiner zusätzlichen Aufgabe als Sprecher der bereits oben erwähnten BAG Fanprojekte, als Beiratsmitglied der Koordinationsstelle (KOS) Fanprojekte sowie seine bereitwillige Unterstützung internationaler Fanbetreuungsmaßnahmen (u.a. EURO 2000) ausdrücklich hervorgehoben werden.
Das Kölner Fanprojekt e.V. bittet daher, die Überlegungen hinsichtlich einer finanziellen Kürzung zu überdenken und vielmehr dem Fan-Projekt Jena e.V. weiterhin jedwede Unterstützung in seiner Arbeit zukommen zu lassen. Nur so kann der erfolgreiche Beitrag im Bereich der gewaltpräventiven Jugendsozialarbeit mit Fußball-Anhängern des FC Carl Zeiss - besonders hinsichtlich der teilweise brisanten Spielpaarungen der NOFV-Oberliga- weiterhin gewährleistet werden.
Holger Hoeck
(Kölner Fanprojekt e.V. / BAG-Sprecher)
FC Carl Zeiss Jena e.V.
Stadt Jena
- Sozialdezernent
- Stadtrat
- Jugendhilfeausschuß
04. September 2002
Betreff: Jugendförderplan 2003 - hier: Förderung Fan-Projekt Jena e.V.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie uns durch das Fan-Projekt Jena sowie mehrere Veröffentlichungen in der lokalen Presse bekannt wurde, ist infolge vorgesehener Einsparungen im Bereich des Jugendamtes die Förderung der aufsuchenden Jugendsozialarbeit des Fan-Projekt Jena e.V. in 2003 noch nicht gesichert.
Wir möchten daher dringend an Sie apellieren, die Förderung des Projektes für 2003 als aus unserer Sicht unverzichtbaren Bestandteil der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in Jena durch weitere Förderung sicher zu stellen.
Wir sehen nach wie vor für eine qualifizierte Fan-Projekt-Arbeit in Jena einen Bedarf gemäß dem "Nationalen Konzept Sport und Sicherheit", der in den Vorjahren auch vom OB als Vorsitzenden des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Jena, von der Jenaer Polizeidirektion und dem Jenaer Jugendamt (damalige Schreiben siehe Anlage) eindrucksvoll bestätigt wurde.
Das Fan-Projekt Jena e.V. ist hier seit über 10 Jahren ein verläßlicher und unersetzbarer Kooperationspartner für unseren Verein. Die ehrenamtlichen Strukturen unseres Vereins (Fan-Beauftragter, Fan-Abteilung) wären auf sich gestellt niemals in der Lage, die umfangreiche Arbeit mit der noch immer großen und in Teilen durchaus problematischen jugendlichen Fanszene zu bewältigen. Wenn es in Jena im Fußballzusammenhang seit Jahren kaum größere Probleme gab, so ist dies in erster Linie auch ein Verdienst der kontinuierlichen Arbeit des Fan-Projektes. Erschreckende Gewaltexzesse wie jüngst im Umfeld des Dresdener Derbies (vgl. den eindrucksvollen Artikel aus der "Sächsischen Zeitung" vom 03.09.02 - siehe Anlage) wären dank der Arbeit des Projektes derzeit in Jena wohl undenkbar und unterstreichen um so mehr Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Förderung von Fanprojekt-Arbeit, um deren weitere Förderung wir Sie hiermit bitten möchten.
Wir möchten auch zu bedenken geben, dass eine Kürzung oder Streichung der Zuwendungen durch die Stadt voraussichtlich auch den Wegfall der Zuwendungen des Freistaats Thüringen und damit die Einstellung des Projektes nach sich ziehen würde.
Mit freundlichen Grüßen
FC Carl Zeiss Jena e.V.
Zipfel
Präsident
Schreiben der Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der dsj (KOS)
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Sorge müssen wir die Nachricht hinsichtlich haushaltsplanerischer Überlegun-gen zur Kenntnis nehmen, das Fan-Projekt Jena könne im nächsten Jugendförderplan 2003 der Stadt Jena von Kürzungen betroffen sein, die entweder den Abbau einer Personalstelle zur Folge haben oder im schlechteren Falle sogar seine Existenz in Frage stellen.
Natürlich wissen auch wir um die schwierigen Haushaltslagen der Kommunen bundesweit, ist es doch eine unserer Hauptaufgaben, diese vor Ort beim Aufbau von Fan-Projekten zu beraten. Von daher weiß die Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der dsj sehr genau um die Problematik, der sich die Verantwortlichen der Stadt Jena zur Zeit gegenüber sehen.
Zur Zeit betreuen wir 32 Fan-Projekte, die nach den Bestimmungen des "Nationalen Kon-zeptes Sport und Sicherheit" arbeiten. Dieses Netzwerk der professionellen sozialen Arbeit mit jugendlichen Fußballfans arbeitet nachgewiesenermaßen auch hinsichtlich gewaltpräventiver Effekte seit Jahren sehr erfogreich. Innerhalb dieses Netzwerkes hat sich das Fan-Projekt in Jena in den letzten 10 Jahren auf allen Ebenen einen absolut unverrückbaren Status erarbeitet. Über die Bedeutung und die positiven Interventionsmöglichkeiten, die das Fan-Projekt für die Jenaer Fanszene besitzt, brauchen wir sicher kein Wort zu verlieren. Insbesondere wenn sie vergleichen, wie sich die Jenaer Fanszene im Vergleich zu der eines weiteren Traditionsvereins wie Dynamo Dresden in dieser Zeit entwickelt hat.
Das Fan-Projekt Jena hat auf vielfältigste Art und Weise bundesweit Maßstäbe gesetzt, sei es ...
... in der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Bezugsverein, der Fanabteilung und allen weiteren wichtigen Partnern im Feld,
... im Pflegen eines kritischen, jedoch vertrauensvollen Dialogs mit den öffentlichen Sicherheitsorganen,
... in der Konzeptentwicklung, welche den bekannten Gewaltforscher Prof. Dr. Gunter Pilz dazu veranlasste, uns dieses Konzept als modellhaft für alle Fan-Projekte in Deutschland nahezulegen,
... in der wichtigen und notwendigen überörtlichen Zusammenarbeit mit der KOS, dem DFB, der BAG-Fanprojekte oder auch der bundesweiten Fanbewegung "Kein Kick ohne Fans" (KKOF); auf Grund dieser hervorragenden Reputation ist Matthias Stein zum Sprecher der BAG-Fanprojekte ernannt worden,
... in der Zusammenarbeit mit den Institutionen und Initiativen der Stadt Jena, hier insbesondere die Teilnahme am "Runden Tisch gegen Rechtsextremismus" in Jena,
... und vieler weiterer Argumente mehr, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde.
Das Fan-Projekt Jena musste schon mehrmals in den letzten Jahren wegen der unseligen Koppelung der Fußballgelder an die Ligazugehörigkeit eine Reduzierung der Mittel kompensieren, was auf Grund der hohen Professionalität der Mitarbeiter mit dem geringst möglichen Qualitätsverlust auch geschafft wurde. Eine weitere Reduzierung würde aus unserer Perspektive aber an die Substanz des Projektes gehen, was dringend verhindert werden sollte. Der Bedarf einer Fortsetzung der sich qualitativ auf höchstem Niveau befindlichen Arbeit auch in der Oberliga - die ja bekanntlich zu großen Teilen der ehemaligen DDR-Oberliga entspricht mit all ihren Rivalitäten - ist unbestritten.
Reduziert oder streicht man die Förderung, setzt man die über das beharrliche und kontinuierliche Engagement errungenen Erfolge hinsichtlich der Reduzierung der Gewalt, die Initiativen gegen Rassismus und die Förderung der Selbstregulierung innerhalb der Fanszene u.v.m. auf´s Spiel.
Vor diesem Hintergrund möchten wir deutlich davor warnen, eine auch im bundesdeutschen Vergleich auf höchstem Niveau stehende und anerkanntermaßen perspektivisch angelegte Soziale Arbeit mit Fußballfans, die in eindrucksvoller Weise in weitere subkultu-relle Milieus hineinwirkt, zu voreilig zu reduzieren. Die Fachwelt ist sich darin einig, dass verloren gehendes Vertrauen und ein zwangsläufiger Abbruch in den Beziehungsstrukturen nur mit erheblichem Aufwand wieder ausgeglichen werden kann.
Sicherlich wissen wir um Ihre schwierige Haushaltssituation, jedoch ist es angesichts unserer Mitverantwortung hinsichtlich eines sozialpräventiv-wirkungsvollen Netzwerks zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland unerlässlich, dass wir mit Dringlichkeit mahnen und daran erinnern, dass wir alle entsprechenden Fachkräfte und Strukturen für eine gelingende und freundliche Präsentation unseres Landes benötigen werden.
In diesem Sinne stehen wir für weiterführende Gespräche i.S. einer perspektivischen Sicherung der von uns sehr wertgeschätzten Jenaer Arbeit jederzeit zu Ihrer Verfügung und hoffen auf eine positive Lösung.
Mit freundlichen Grüßen
i.V.
Thomas Schneider
Leiter
Prof. Dr. Gunter A. Pilz, INSTITUT FÜR SPORTWISSENSCHAFT, Universität Hannover
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Betroffenheit und großer Sorge habe ich davon Kenntnis genommen, dass von bevorstehenden Kürzungen des Jugendförderplanes 2003 auch das Fan-Projekt Jena betroffen sein könnte, was in diesem Falle entweder den Abbau einer Personalstelle oder gar die Bedrohung der Existenz des Fan-Projektes bedeutete.
Ich bin mir bewusst, in welch´ prekären finanziellen Situationen sich die öffentlichen Hände befinden und kann mir auch vorstellen, wie schwer es fällt Kürzungen vornehmen zu müssen. Ohne Ihren Entscheidungen Vorweggreifen zu wollen oder andere Maßnahmen im Rahmen des Jugendförderplanes herabzuwürdigen, möchte ich mich besonders für den Bestand des Fan-Projektes Jena stark machen und Ihnen für Ihre nicht leichte Entscheidung ein paar Argumentationen für den Erhalt des Fan-Projektes Jena geben.
Es ist sicherlich unbestritten, dass vor dem Hintergrund der teilweisen äußerst brisanten Konstellationen in der NOFV-Oberliga (viele Spiele mit Derby-Charakter; alte Rivalitäten) nicht nur ein unveränderter, sondern wie jüngste Ereignisse in Dresden zeigen, sogar ein verstärkter Bedarf für Fan-Projektarbeit im Sinne des "Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit" besteht.
Wie ich mich selbst überzeugen konnte, ist es dem Fan-Projekt Jena gelungen in über 10 Jahren vertrauensvolle, sehr belastbare Beziehungen zu einer problematischen Zielgruppe aufzubauen, die nicht abbrechen dürfen, sondern gerade im Sinne langfristig angelegter Prävention aufrechterhalten und weiterentwickelt werden müssen.
Darüber hinaus existiert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem FC Carl Zeiss Jena und der Vereins-Fanabteilung "Supporters Club" in Form einer Betreuung von 125 offiziellen Fanclubs sowie informeller Fangruppen, wie den Hooligans und Ultras.
Die Arbeit des Fan-Projektes Jena ist weit über die Grenzen von Jena und Thüringens hinaus anerkannt, besitzt geradezu Vorbildfunktion und leistet viele unverzichtbare Hilfestellungen für Projekte in den neuen Ländern. Mich haben Arbeitsplan und Konzept des Fan-Projektes Jena dermaßen begeistert, dass ich dieses Projekt der Koordinationsstelle Fan-Projekte als Modell für alle Fan-Projekte, die nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit arbeiten und gefördert werden, anempfohlen habe.
Die Güte des Fan-Projektes Jena zeigt sich auch darin, dass ihr Mitarbeiter Matthias Stein ein anerkannter Fachmann sowohl in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fan-Projekte ist und dort zu einem ihrer Sprecher gewählt wurde, als auch im Beirat der Koordinationsstelle Fan-Projekte ist. Gerade im Beirat der KOS habe ich Matthias Stein stets als äußerst sachkundigen, fundierten und überaus engagierten Fachmann kennen- und schätzen gelernt.
Nicht vergessen werden darf, dass die Zielgruppen durch andere Angebote oft nicht mehr erreichbar sind. Oft gelingt es nur noch über den Sport, über den Fußball an die problematischen Jugendlichen heranzukommen, so dass sich Fan-Projekte zunehmend auch als die letzten sozialpädagogischen Bastionen gegen Gewalt und Extremismus erweisen. Gerade dem Fan-Projekt Jena ist es beeindruckend gelungen über eine beharrliche kontinuierliche Arbeit gewaltpräventiv zu wirken, Initiativen gegen Rechtsextremismus zu beleben und die Selbstregulierung innerhalb der Fanszene zu aktivieren. Kürzungen in diesem Bereich würde heißen 10 Jahre erfolgreicher und perspektivischer Arbeit in Frage zu stellen, weil die für eine langfristig erfolgreiche, präventive Arbeit mit auffälligen jungen Menschen unverzichtbaren Beziehungsstrukturen und Vertrauensbasis wegbrechen würden und nur mit viel Mühe wieder aufgebaut werden könnten.
Ich bitte Sie, bei allen Kürzungsüberlegungen diese Fakten zu berücksichtigen und alles dafür zu tun, dass das Fan-Projekt weiterhin funktions- und arbeitsfähig bleibt und somit seine bundesweit vorbildhafte und erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann. Es wäre nicht nur äußerst bedauerlich, wenn die im bundesdeutschen Vergleich auf höchstem Niveau stehende Soziale Arbeit des Fan-Projektes Jena durch Kürzungen gefährdet wäre, der Schaden den der Wegfall der Fan-Projektarbeit im subkulturellen Milieu verursachte wäre immens.
Gerne stehe ich für Nachfragen zur Verfügung
und bin in der Hoffnung auf den Fortbestand des Fan-Projektes
Jena mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Gunter A. Pilz
Schreiben des Regionalverbundssprechers der BAG
Berlin, 05.09.02
Lieber Matthias,
mit Bestürzung haben wir vernommen, dass durch einen Sonderrunderlass des Jenaer Oberbürgermeisters Kürzungen insbesondere des Jugendförderplanes 2003 vorgenommen werden sollen. Von dieser Maßnahme ist auch das Fan-Projekt Jena in seiner Arbeit existenzell betroffen. Gerne möchten wir auf Dein Hilfeersuchen reagieren und bitten Dich dieses Schreiben an das Jugendamt Jena, den Jugendhilfeausschuß der Stadt Jena und den Stadtrat der Stadt Jena weiterzuleiten.
Das Fan-Projekt der Sportjugend Berlin ist mit dem Fan-Projekt Jena seit Jahren in enger Kooperation verbunden. Viele Beispiele hervorragender Zusammenarbeit lassen sich in den letzten Jahren belegen.
Es steht außer Frage, dass gerade die professionelle sozialpädagogische Arbeit unserer Jenaer Kollegen in der Vergangenheit wesentlich zu einem friedlichen Verlauf der Zweit- und Regionalligabegegnungen mit Berliner Beteiligung geführt haben. Hierbei stand immer der freundschaftliche Begegnungscharakter zwischen den Fans im Vordergrund. So sind für uns die gemeinsamen Erlebnisse der Fans bei den vom Fan-Projekt Jena perfekt organisierten Jugendbegegnungen und der freundliche Empfang im "Fan-Haus" unvergeßlich.
Hervorheben möchten wir auch die vom Fan- Projekt Jena initiierte Freikartenaktion für Gästefans, die in der Zwischenzeit von anderen Projekten übernommen wurde. Mit dieser Geste wurde schon im Vorfeld von Spielen eine positive Grundstimmung erzeugt. Im Bewußtsein der jugendlichen Fans bleiben diese Aktionen nachhaltig in Erinnerung.
Unsere Kollegen aus Jena haben über den Zeitraum von 10 Jahren vertrauensvolle und belastbare Beziehungen zu einer problematischen Zielgruppe aufgebaut. Nur Sie haben einen Zugang zu Jugendlichen, der über die normale Jugendarbeit hinausgeht und die von keiner anderen Jugendeinrichtung erreicht werden.
Der Einfluß rechter Gruppierungen auf die Fan- und Hooliganszene konnte durch die Arbeit der Fanprojektmitarbeiter aus Jena erfolgreich verhindert werden. Bedeutsam ist auch die stabilisierende Rolle des Fan-Projektes Jena für Selbstregulierungsmechanismen innerhalb der jugendlichen Subkultur "Fußballfans".
Ein Wegfall oder eine Einschränkung der derzeitigen Angebotsvielfalt des Jenaer Fanprojektes ist undenkbar und würde die erfolgreiche Arbeit der letzten 10 Jahre in Frage stellen.
Im Kollegenkreis aller Fan- Projekte findet die Arbeit des Fan- Projekt Jena eine hohe Anerkennung und Wertschätzung. Das Fan-Projekt Jena hat mit seinem Arbeitskonzept eine Vorbildfunktion für eine Reihe von Projekten in den neuen Bundesländern und darüber hinaus. Auf die Fachkompetenz des Fan- Projekt Jena in Fanfragen können und möchten wir auch in Zukunft nicht verzichten.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse beim Derby in Dresden besteht auch in Jena (mit teilweisen brisanten Konstellationen in der NOFV-Oberliga und vielen Spielen mit Derby-Charakter) unveränderter Bedarf für Fan-Projekt-Arbeit gemäß Abschnitt B Ziff. 2 des "Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit".
Das Fan- Projekt der Sportjugend Berlin bittet die jugendpolitisch Verantwortlichen in Jena, das örtliche Fan-Projekt mit allen Möglichkeiten zu unterstützen. Nur so ist der erfolgreiche Beitrag, den gerade dieses Projekt in der gewaltpräventiven Arbeit mit Fußballfans schon seit Jahren leistet, weiterzuführen.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Pannicke
(Fan-Projekt Berlin)
Schreiben der Polizeidirektion Jena vom 09.09.2002 (Abschrift)
THÜRINGER POLIZEI
POLIZEIDIREKTION JENA
Spielsaison 2002/2003 des FC Carl Zeiss Jena e.V. in der Oberliga
Weiterführung des "Fan-Projekt" Jena
Auffassung der Polizeidirektion Jena
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Polizeidirektion Jena ist ein Antrag des "Fan-Projekt Jena e.V." auf Weiterbewilligung der finanziellen Förderung durch die Stadt Jena zur Kenntnis gelangt.
Die Polizeidirektion Jena arbeitet, unter Beachtung der unterschiedlichen gesellschaftlichen und sozialen Aufträge, eng mit dem "Fan-Projekt" zusammen und konnte in der Vergangenheit feststellen, dass es gelungen ist, das Fanverhalten zu pazifisieren.
Unter Beachtung der besonderen Fanlagen in der Oberliga Staffel Süd im NOFV, welche in der gesamten Bundesrepublik in dieser Spielklasse ihresgleichen sucht, gelang es, dass durch die Fans des FC Carl Zeiss Jena bis auf wenige Ausnahmen ein sportliches Verhalten an den Tag gelegt wurde. Aufgewertet wird diese Tatsache noch dadurch, dass trotz des verfehlten sportlichen Zieles des Vereines, den sofortigen Wiederaufstieg in die Regionalliga zu schaffen, es zu keinen größeren fanseitigen Ausschreitungen nach den entscheidenden Spielen kam.
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die polizeilichen Maßnahmen zur Sicherung eines störungs- und gewaltfreien Ablaufes der Oberliga-Heimspiele wesentlich reduziert werden konnten.
Daher unterstützt die Polizeidirektion Jena die Bemühungen des "Fan-Projekt" um die Fortführung seiner Arbeit. Eine Einstellung dieser Tätigkeit würde zwangsläufig zu einem tiefen Einschnitt in der Betreuung der Fanszene des FC Carl Zeiss sowohl bei Heim- wie auch bei Auswärtsspielen führen. Dies würde auch dem gemeinsamen Ziel, der Deeskalation und Pazifisierung der Fangruppen, insbesondere der polizeilichen Kategorien "B" (der bedingt gewaltbereite Fußballfan) und "C" (der grundsätzlich gewaltbereite Fußballfan) zuwider laufen.
Durch die Arbeit der Mitarbeiter des "Fan-Projekt" besteht die Möglichkeit schwewiegende Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Fangruppen in der Oberliga, wie in jüngster Zeit leider wieder geschehen, deutlich zu reduzieren.
Durch die bereits vorseitig benannten besonderen Fanlagen in der Oberliga muss weiterhin von einer erhöhten Gewaltbereitschaft in der Fanszene ausgegangen werden. Durch die Vielzahl der Vereine, welche die Zielstellung des Wiederaufstiegs in den "bezahlten Fußball" haben dürfte dieses Verhaltensmuster noch potenziert werden.
Insofern wird der Antrag des "Fan-Projekt Jena e.V." auf eine Weiterfinanzierung durch die Stadt Jena ausdrücklich befürwortet.
Mit freundlichen Grüßen
Schrehardt
Polizeidirektor
Schreiben des Deutschen Fußball-Bundes vom 06. September 2002 (Abschrift)
Stadtrat der Stadt Jena
Jugendhilfeausschuß der Stadt Jena
Jugendamt Jena
Erhalt des Fan-Projekts Jena
Sehr geehrte Damen und Herren,
über die Koordinationsstelle Fanprojekte und das Fan-Projekt Jena erfuhren wir, dass unter Umständen eine Weiterfinanzierung und somit der Erhalt des Fanprojekts und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter im Jahr 2003 gefährdet ist.
Da uns die ausgezeichnete und vorbildliche Arbeit des Fanprojekts und seiner Mitarbeiter hinlänglich bekannt ist, wäre es mehr als nur erfreulich, wenn auch im Jahr 2003 die wirtschaftliche Unterstützung durch die Stadt Jena gewährleistet werden könnte.
Seit Jahren leistet das Fanprojekt Vorbildliches und Erfolgreiches in der Arbeit auf vertrauensvoller Basis mit problematischen Zielgruppen und haben Zugang zu Jugendlichen aufgebaut, die über "normale" Jugendarbeit jenseits des Fußballsports oftmals nicht erreichbar sind.
Nicht zuletzt hat das Fanprojekt dank eines vorzüglichen Arbeitskonzeptes Vorbildcharakter für eine ganze Reihe von Projekten im ganzen Bundesgebiet und gab maßgebliche Hilfestellung für den Aufbau von Projekten in den neuen Bundesländern.
Auch sollte der unveränderte Bedarf der Fanprojekt-Arbeit gemäß des Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit vor dem Hintergrund brisanter Konstellationen in der Oberliga des NOFV nicht übersehen und unterbewertet werden.
Wir erlauben uns ferner, die äußerst engagierte Rolle des Mitarbeiters Matthias Stein herauszustellen, der sich und seine Erfahrung als Sprecher der BAG-Fan-Projekte und Beiratsmitglied der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj und nicht zuletzt am "Runden Tisch für Demokratie" der Stadt Jena einbringt. Die Verhinderung der Einflussnahme des Rechtsextremismus auf die Fan- und Hooliganszene können wir nicht genug würdigen.
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, abschließend möchten wir Sie noch ein-mal sehr herzlich bitten, die Finanzierungskonzepte für das Jahr 2003 wohlwollend im Sinne der so erfolgreichen Jugend- und Fanarbeit des Fan-Projekts Jena und seiner engagierten Mitarbeiter zu prüfen.
Der Deutsche Fußball-Bund wünscht dem Fan-Projekt Jena, dass es gelingen möge, die wirtschaftliche Grundlage für seine unstrittig wertvolle Arbeit gewährt zu bekom-men.
Mit freundlichen Grüßen
DEUTSCHER FUSSBALL-BUND
Hans Florin
Abteilungsleiter
Fanclub family
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Sorge habe ich erfahren, daß für das Jahr 2003 finanzielle Kürzungen für das Jenaer Fanprojekt ge-plant sind, die die Arbeit des Fanprojekts einschränken bzw. sogar vollständig gefährden.
Ich fahre seit 1977 zu Spielen des FC CARL ZEISS JENA und habe die Jenaer Fanszene seitdem bewußt erlebt. Die Entwicklung der letzten Jahren im Umfeld bei Heim- und Auswärtsspielen, an der das Fanpro-jekt einen Riesenanteil hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Im Gegensatz zu vielen an-deren Vereinen sind gewalttätige Vorkommnisse durch Jenaer Fans de facto kein Thema, Auswärtsfans, die nach Jena kommen, können sich ungefährdet im Umfeld des Stadions bewegen und bei Auswärts-spielen des FCC hört man oft genug seitens der Ordnungskräfte der Gastgebers, daß man vom friedli-chen Auftreten der Jenaer Fans überrascht ist.
Ein Wegbrechen der Tätigkeit des Fanprojekts im jetzigen Umfang wurde eine negative Entwicklung im Fanbereich auch in Jena in Gang setzen und der FCC würde sich mittelfristig diesbezüglich nicht mehr Clubs wie Dresden oder VfB Leipzig unterscheiden. Und diejenigen, die jetzt Streichungen bei der finan-ziellen Unterstützung des Fanprojekts befürworten, wären die ersten, die in 2 - 3 Jahren bei eventuellen Vorkommnissen im EAS lautstark nach Prävention im Fanbereich rufen würden.
Ich bin selbst Stadtrat in Hainichen und kenne aus eigener Erfahrung die kurze Finanzdecke der Kommu-nen, die eigentlich vorn und hinten nicht reicht. Und trotz der angespannten Kassenlage bitte ich Sie, Kür-zungen für das Fanprojekt Jena nicht zuzulassen.
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Kaiser und Familie
Horda Azzuro - SupportersCrew Jena
Sehr geehrte Damen und Herren,
Für uns sehr überraschend kam die Tage die Information, das eventl. finanzielle Kürzungsmaßnahmen für das Fanprojekt Jena e.V. vorgesehen sind.
Natürlich sind überall die Fördermaßnahmen und die zur Verfügung stehenden Gelder beschränkt und sehr knapp, trotzdem würde bei uns eine solche Kürzung auf Unverständnis treffen.
Für uns als junge Fans des FC Carl Zeiss Jena ist das Fanprojekt mit allen seinen Angeboten und Hilfestellungen nicht nur eine einfache Einrichtung, viel mehr eine Anlaufstelle für Fans, die hier Hilfe und Anregungen auf Fragen bekommen, ein jugendclubartiger Ort zum Treffen mit Freunden, eine "rechte Hand" bei Problemen rund um den FCC und nicht zu letzt ein beliebter Treffpunkt der Fanszene vor, während und nach den Heimspielen sowie während der ganzen Woche.
Wird die Arbeit des Fanprojektes eingeschränkt oder fällt diese Einrichtung gar weg halte ich das Weiterbestehen einer aktiven Jenaer Fanszene für stark gefährdet.
Einige Beispiele der Bedeutung des Fanprojektes für uns junge Fans:
- das Fanprojekt trägt unsere Kritiken, Anregungen und Wünsche wirksam an den Verein herran, die ohne diese Übermittlung an Dringlichkeit und Beachtung verlieren würden
- das Fanprojekt hilft uns bei Problemen mit Polizei und Ordnerschaft, vermittelt und bemüht sich stets um unsere faire Behandlung und Beachtung
- das Fanprojekt organisiert rund um die Spiele des FC Carl Zeiss Jena zahlreiche andere Aktionen, wie Street-Soccer-Veranstaltungen, Diskusionsrunden, ...
- das Fanprojekt bietet auch bei "außerfussballerischen" Themen Hilfe an, wie bei Schule, der Lehre, der Justiz oder zu Hause
- ...
Ich bitte sie also im Namen der jüngeren Generation Jenaer Fußballfans, finanzielle Kürzungen zu unterlassen, damit die sich stets weiterentwickelnde Jenaer Fanszene eine Zukunft hat. Ohne das Fanprojekt wird es definitiv zu einem Bruch der Fanorganisation und Kommunikation untereinander kommen, was nicht nur für den Verein, sondern damit auch für die ganze Stadt Jena und ihr Umfeld negative Auswirkungen hätte.
Mit freundlichen Grüßen
Horda Azzuro - SupportersCrew Jena
Tobias Gerlach
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass aufgrund einer "klammen" Kassenlage finanzielle Kürzungen im Bereich der Jugendarbeit in Erwägung gezogen werden, die das Fanprojekt Jena e.V. in seiner Existenz gefährden.
Natürlich ist es legitim, jeden Posten im Haushalt zu überprüfen und in Frage zu stellen, aber ich möchte Sie eindringlich bitten, das Fanprojekt Jena auf bisherigem Niveau weiter zu unterstützen !
Wenn das FP seine erwiesenermaßen hervorragende Arbeit einstellen würde, besteht akute Gefahr, dass sich eine Subkultur, deren Antrieb der Spaß an Gewalt ist, gepaart mit rechtsradikaler Unterwanderung nun auch in Jena breit macht. Das, was bisher in langer intensiver Arbeit vermieden werden konnte, würde doch über uns hereinbrechen.
Zunächst möchte ich ein paar ganz profane Argumente anbringen, die für eine weitere Unterstützung des Fanprojektes sprechen:
· Polizeieinsatz (bzw. Einsatz des BGS) kann zahlenmäßig den Gegebenheiten angepasst werden
· Zerstörung öffentlicher Anlagen und Einrichtungen kann vermieden werden
· Ein Imageschaden der "Boomtown" Jena, für die Toleranz regelrechter Standortfaktor sein muss, kann vermieden werden
Mir ist klar, dass ich den buchhalterischen Nachweis für den Nutzen des Fanprojektes nicht erbringen kann, aber um die Situation der Brisanz in der Oberliga Nordost zu verdeutlichen und auch um die negativen Folgen einer fehlenden Prävention vor Augen zu führen, möchte ich Ihnen Zitate aus einem Internet-portal für Hooligans nicht vorenthalten , in dem auch die jüngsten Ausschreitungen in Dresden beurteilt werden.
Zum Thema "politische Unterwanderung" der Szene empfielt sich das Lesen des Verfassungsschutzberichtes der Bundesrepublik, in dem vom "Kampf um die Straße" der NPD geschrieben wird.
Ich hoffe für den FC CARL ZEISS aber auch für die Stadt Jena, dass sie von unsäglichen Vorfällen, wie sie in Dresden oder Leipzig zum Alltag gehören, auch künftig verschont bleiben. Dazu kann das Fanprojekt entscheidende Hilfestellung geben, wenn man es lässt.
Tobias Gerlach
Die Zitate im Anhang bedürfen keines weiteren Kommentars
Anhang: Quelle: www.hooligans.de
© Dresdner Neueste Nachrichten erschienen am 01.09.2002
Thomas Hartwig
Chaoten überrannten Polizei
43 verletzte Polizisten, davon drei schwer: Das ist die erschütternde Bilanz schwerer Krawalle nach dem Derby im Rudolf-Harbig-Stadion. Polizeisprecher Wolfgang Kießling rang gestern Abend sichtlich um Fassung: "Es ist unglaublich, mit welcher Brutalität die Täter gegen unsere Beamten vorgegangen sind."
Die Polizisten wurden mit Steinen, Flaschen und sogar Fahrrädern beworfen. Sie mussten sich gegen Angriffe mit Stöcken, Zaunslatten und Baseballschlägern erwehren. Und sie waren hoffnungslos in der Unterzahl. Wegen der Hochwassereinsätze konnte die Polizei nur 120 Beamte aufbieten. Das nutzten gewaltbereite Hooligans erbarmungslos aus. Die Krawalle dauerten bis in die späten Abendstunden an.
Den Auftakt machten vor dem Anpfiff etwa 30 "Dynamo-Fans", die durch ein Loch im Zaun ins Stadion gelangen wollten. In der Nacht vor dem Spiel hatten unbekannte Täter das Zaunsfeld herausgetrennt. Als Ordner und Polizisten einschritten, wurden sie mit Flaschen beworfen. In der Halbzeitpause griffen rund 80 Randalierer am Ausgang Lennéstraße Ordner an.
Nach dem Abpfiff ergriffen die Anhänger des Dresdner SC die Flucht in Richtung Straßburger Platz. Sie wurden von Holligans verfolgt, die sich plötzlich auf ein neues Ziel stürzten. Rund 300 Randalierer griffen sechs Polizisten einer Reiterstaffel auf einer Wiese im Großen Garten an. Die Gewalttäter verletzten eine Polizistin. Zwei Pferde stürzten und zogen sich Verletzungen zu. Das Geschehen eskalierte immer mehr. Schließlich standen die Polizisten einer Übermacht von 1500 Chaoten gegenüber. Die Beamten wurden brutal angegriffen und faktisch überrannt.
Noch in den Abendstunden zertrümmerten Randalierer im Stadion Werbebanden. Wolfgang Kießling sprach von 13 Festnahmen. "Mehr war mit 120 Polizisten nicht möglich." Der Polizeisprecher kündigte künftig ein hartes Vorgehen gegen Chaoten an. "Wir werden es nicht dulden, dass diese Leute ihren Frust an Beamten abreagieren, die nur ihre Arbeit machen."
Stimmen von Hooligans, siehe www.hooligan.de
1.Hool-Kommentar:
Man soll ja nicht vorurteilen...
...aber ich habe Bilder im Fernsehen gesehen!
Da wurden die Grenzen des "hooliganism" überschritten !!!
Mit Baseball-Schlägern auf Bullen einzuschlagen, einfach so, dass ist wohl nicht mehr nor-mal.
Ich will die Bullen nicht verherrlichen, aber die tun auch nur Ihren Job. Und einen z.B. Familienvater halb umzubringen hat nichts mit Hooligan zu tun. Damit das klar ist.
Ich distanziere mich von diesen verbitterten Weichbirnen !
Boxen ja - durchdrehen nein !
Ein Fussball - Aktivist
2.Hool-Kommentar:
Etwa 30 Minuten vor Spielbeginn stuermten an die 100 Hooligans das Stadion durch einen unverschlossenen Eingang der von nur 3 Ordnern mit 2 Hunden bewacht wurde. Etwa 10 Minuten spaeter versuchte eine etwa gleichstarke Gruppe selbiges allerdings an einem anderen Platz. Da aber die Ordner mit Hunden (ohne Maulkorb) schnell einschritten und auch die Polizei einschritt gelang es etwa 10 Leute zu verhaften. Daraufhin ritten 4 Cops mit Pferden hinterm Fanblock ein, die von 60 Leuten sofort attackiert wurden und das weite suchen mussten. Ein Polizist fiel dabei vom Pferd. In der HZ stuermten 60 Hools auf die Ordner die ohne Gegenwehr wegrannten bzw. sich hinter den Cops versteckten. Nach Spielschluss be-gaben sich alle gewaltorientierten Jugendliche (KEINE DD-HOOLIGANS!!!) hinter den Gaesteblock bzw. auf die Lennestrasse. Alles was nach DSC aussah wurde schnell attackiert Teilweise wurde selbst ein DSCer von 500 Leuten durch die Gaerten gejagt. Als die Suche nach weiteren Gegner aus Friedrichsstadt aussichtslos wurde, rannten ca. 300-400 erlebnisorientiere mit Latten und Steinen bewaffnet eine Strasse lang und stuermten etwa 15-20 an einer Kreuzung stehende Polizisten. Jene rannten sofort weg, hinterher ein Sixpack, der sich dann einer Wurfattacke ausgesetzt sah. Nur sammelten sich hinterm Gaesteblock bzw. hinterm Bad an die 1.500-2.500 Jugendliche, die sich eine exakt 1 stuendige Schlacht mit der Polizei lieferten und die Cops mehrere Mal durch die Gegend jagten. Eine 20 Mann starke Kette der Staatsmacht wurde so stark attackiert, dass sie im Rueckwaertsgang ins Stadion liefen und vor sich die Tore verschliessen mussten. Daraufhin versammelten sich vor dem Tor 500 vermummte Jugendliche die mit Wurfgeschossen die Staatsmacht in Schach hielten. Weiterhin gab es auf den Wiesen rund ums Stadion laengere und ausdauernde Jagdszenen wobei die Polizei hier jedesmal klar das nachsehen hatte. Gegen 17.15 Uhr loeste sich dann das ganze auf. Alles in allem die schaerfsten Randale die es seit Jahren in Deutschland ge-geben hat!
3.Hool-Kommentar:
Ist mir neu das viele vom Dresdner Pöbel bei der Antifa sind. Würde ehr sagen Antiantifa !!! was mir hier sicherlich einige Leutz bestätigen werden.
Nach Angaben von Bekannten waren das Fussballrandale wie zu besten DDR Zeiten. Waren aber viele Kinder ( 13 bis15 Jährige ) am Start, was auch die Bilder in diversen Berichten aus dem Fernsehen beweisen.
Naja es geht immer mal was, siehe Dresden
4.Hool-Kommentar:
Das is ja wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag!
Endlich werden die gottverfickten Knüppel-Cops mal in den Dreck getreten.
Jahrelange Demütigungen seitens der Schnittlauch-Mafia werden nun viel leichter erträglich.
Danke Dresden !!!
5.Hool-Kommentar:
Ich glaub wenn die wirklich geschossen haetten,waere es zu einem 2.Leipzig-Leutzsch gekom-men! Wenn nicht sogar schlimmer! Damals zogen die Befis,nachdem sie erfahren hatten das es einen Toten und mehrere Schwerverletzte gab,randalierend durch Leipzig! Jeder der in der Stadt war weiss was damals in der Innenstadt und rund um denn Hauptbahnof los war! Stundenlange Randale,niemand wurde verschont,hunderte Fensterscheiben eingeschlagen!
Ich glaub in Dresden waers extremer gekommen! Damals waren es "bloss" 400 Hooligans! Am Sonntag waren es 1500 Hooligans und andere Gewaltsuchende! Ich will nicht wissen was gewesen waere wenn...
"Derby-Fieber bei Aue gegen Dresden"
1.Beitrag
Sehr geehrte Dresdner Elbwasserfischer.
Anscheinend ist euch das Hochwasser zu Kopf gestiegen.
Da wird nun mit aller Konsequenz ein Date ausgemacht und dann drückt ihr euch, weil von dem ganzen Trupp ein einziges Auto mit Chemnitzer Nummer dabei war! Man könnte meinen, ihr habt nur einen Grund für euren Rückzieher gesucht. Dass ihr dann aber auch noch durch die halbe Gegend fahrt, anstatt in Aue anzutreten, naja. Und dann noch diese Würmer, die da vorm Stadion rumgerannt sind. Lächerlich!!! Na gute Nacht!
Im Großen und Ganzen enttäuschend von einer 500.000 Einwohner Stadt!!!!
Antwort
Sehr geehrte Auer Grubenlampe
spar Dir Dein Gewäsch von 25 Auern und einem Auto Chemnitzer die zufällig an Eurem Treffpunkt standen. Wir waren nach der abgeblasenen Aktion mit ein paar Leuten in Zwickau um Chemie zu unterstützen.
In einem Gespräch mit einem nicht ganz unbekannten und bei Eurer linken Aktion selbst anwesenden Zwickauer wurde unsere Vermutung bestätigt.
Und gegen ca. 30 Chemnitz+Zwickau plus Euch armseligen Schachtscheißern hatten wir keinen Bock uns zu stellen.
Ihr Auer Lutscher wart noch nie was und werd auch alleine nie etwas sein.
Gruß aus Elbflorenz
Außerdem:
So wie ich gehört habe soll'n die Schachter nach dem Spiel ziehmlich derbe gegen die Dynamos (nur Kutten) vorgegangen sein.Wenn das stimmt , bestätigt sich alles was man von den Schachtern hört . Feiges Bergvolk!
Beschreibung der "Ost-Szene" von früher
Jetzt muß ich mal was dazusagen. Die Auer haben zu DDR-Zeiten gar nichts auf die Reihe gebracht. Sie waren absolutes Schlußlicht der etablierten OL-Truppen. Hatten bis Anfang 80 nicht mehr wie
20 - 30 Fans mit (außer nach K.M.S. oder Zwickau) Zwickau war bis Mitte 80 auch nichts, auch dannach nicht toll, erst nach der Wende einen kleinen aber feinen Mob. Dresden brachte man, wenn man entschlossen auf sie drauf ging, auch des öfteren zum Laufen, aber wehe die waren mit ihren Massen am Drücker. Magdburg ist 83 mal mörderlich baden ge-gangen, 3000 DDs haben 800 Ms regelrecht überrannt und in die Züge gedroschen. Auch in Erfurt beim Pokal 83 sehr gut mit 300 in über 1000 Leute reingerannt. Aber die haben eben auch oft eingesteckt. Union sah so ziemlich über all hoch überlegen aus, außer beim Derby. BFC wenige aber sehr gute. Beim Lok und HFC (Tunnelmesserstechere) gabs auch des öfte-ren krasse Aktionen. Übrigens hatte Lok beim HFC 81 nur 100 Leute mit und die wurden noch vor Spielbeginn gestürmt. Chemie, Erfurt, Rostock und Magdeburg waren auch heiße Pflaster. Jena und K.M.S. gehörten zu den harmloseren. Und Cottbus war nicht mal die Rede wert. Und die besten waren auch vor der Wende schon die Befis, wenn auch manchmal et-was sehr wenig, was auch mal mörderlich in die Hose gehen konnte, wie z. B. in Erfurt 85 wo die Befis bis zum Bahnhof gejagt wurden und die Erfurter buchstäblich aus jedem Loch rauskamen oder zu Hause 86 gegen LOK wo die Loks wirklich gewütet haben.
Jeder sieht das natürlich etwas anders, aber ich glaube so ziemlich die Verhältnisse so be-schrieben zu haben, wie ich es noch in der Erinnerung habe. Aber da müßte man ein Buch schreiben, um jedem gerecht zu werden.
Hooligans
Eine Begriffsbildung mit unterschiedlicher Herkunft
Über die Geschichte des Begriffes Hooligan gibt es keine eindeutige Zuordnung. Eine Version sieht darin einen Kunstbegriff aus dem Englischen, sinngemäß wird es mit Straßenrowdy oder Halbstarker übersetzt. Eine andere Variante: Das irische Wort hooley (Sauforgie) wurde zu Hooligan verdreht. Die dritte Möglichkeit: Es soll eine irische Familie namens Hooligan gegeben haben, die prügelnd durch die Straßen zog. Zum ersten Mal tauchte dieser Name vor hundert Jahren in einer englischen Zeitung auf. Und auch da-mals schon im Zusammenhang mit Alkohol und exzessiver Gewalt auf öffentlichen Plätzen.
Daran hat sich - zumindest was britische Hooligans betrifft - kaum etwas geändert. Diese jungen Leute kommen aus sozial schwachen Schichten, sie sind häufig arbeitslos, sie trinken fast immer Alkohol, ehe sie bei Fußballspielen zuschlagen
Anders die deutschen Holligans oder Hools, wie sie sich selber nennen. Die Faszination der Gewalt kennt keine gesellschaftlichen Grenzen. Deutsche Soziologen wissen, daß unter ihren Hooligans auch die Mittel- und Oberschicht zu finden ist. Ärzte, Juristen, Kaufleute, Ingenieure und fast immer Familienväter. Biedere Deutsche, die während der Woche hart arbeiten und am Wochenende am Fußballplatz die Sau raus lassen, wie Gunther Pilz von der Universität Hannover analysiert. Sie erleben beim Prügeln den Kick, den andere beim Bungeejumping oder Abenteuerurlaub suchen. Gewalt ist für diese Menschen eine Art Droge. Sie brechen aus den Zwängen des Alltags aus, sie sprengen ihr Korsett und befriedigen so ihre gewaltbetonten Gefühle. Zuschlagen, der ultimative Kick für brave Bürger. Das Landeskriminalamt Düsseldorf schätzt die Zahl der gewaltbereiten deutschen Hools auf 4000 bis 6000.Selbstverständlich, jedoch in deutlicher Minderheit, sind darunter auch Jugendliche, die für rechtsradikale Tendenzen empfänglich sind.
Für die zuständigen Polzeidienststellen ist es immer wieder überraschend, wie perfekt Hooligans organisiert sind. Die deutsche Gründlichkeit versagt auch nicht in der Vorbereitung zur Gewalt: Schon Wochen vor Beginn der Fußball-WM in Frankreich verabredeten sich die Hools über Internet, Mobilfunk und Telefax, wann sie auf welchem Platz in Frankreich sein werden. Die schwere Verletzung des französischen Polizisten Nivel in Lens wird übrigens als Betriebsunfall gesehen, als "Scheiß-Aktion, die verurteilt wird."
Das im Grunde unauffällige Äußere der Hools in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen gleicht einer Uniform im Tarnlook und gehört zu ihrem Konzept. Sie wollen aus dem anonymen Nichts auftauchen, wahllos oder zielgerichtet (ohne Waffe) prügeln und dann, nach dem Kick, im Nichts wieder verschwinden. Heimkehren zur Familie. Kraft getankt und Lust befriedigt.
Diese anonymen Hools wollen aber noch etwas: Der Haß von möglichst vielen Seiten ist ihnen wichtig, schrieb die Süddeutsche Zeitung, es kommt ihnen darauf an, von möglichst wenigen Seiten akzeptiert zu werden. In dieser Rolle wird nichts von einem erwartet - außer Ärger.
Also exakt das Gegenteil, das von den rund 30jährigen, in ihren Berufen durchaus erfolgreichen Akade-mikern in ihrem Alltag erwartet wird.
Der amerikanische Ethnologe Bill Buford, heute 38, hat acht Jahre lang ein bemerkenswertes Doppelle-ben geführt. Während er unter der Woche eine Londoner Zeitschrift für Literatur herausgab, begleitete er an den Wochenenden die Fans von Manchester United auf ihren Kriegszügen durch Europa. Der Cambridge-Absolvent, ein Schöngeist durch und durch, kroch mit den Hooligans in Pub-Höhlen und betrank sich mit ihnen bis zur Besinnungslosigkeit. Immer dabei sein Notizblock. Penibel zeichnete er (nüchtern) seine Erfahrungen auf, alptraumartige Szenen voll scheußlicher Einzelheiten. Sein Buch Geil auf Gewalt. Unter Hooligans ist 1992 im Hanser-Verlag erschienen. Es ist von einer eisigen, amoralischen Präzision, die an die Kriegstagebücher Ernst Jüngers erinnert, schrieb der Spiegel.
Buford wollte hautnah erleben und spüren, was passiert, wenn es losgeht. Er wollte an die Gewalt so nahe wie möglich heran, er wollte wissen, wie sie funktioniert. Minutiös rekonstruiert er ihre Eskalation und hält fest, wie er plötzlich selbst ein Teil der brodelnden Masse wird: Ich genieße es, mich erregt es. Die Menge hungert nach dem Ereignis, und der Hunger wird gestillt werden müssen. Buford, der Schöngeist, hat seine Gier gestillt: Eine Handvoll Carabinieri prügelte so lange auf ihn ein, bis er nur noch ein wimmern-des Häufchen Elend war.
aus www.hooligans.de













